Sri Lanka – von Fischen und Menschen

Wie bereits erwähnt habe ich auf meinen Dienstreisen manchmal wenig Zeit, Land und Leute zu erleben. Daher nutze ich gern die verbleibende Zeit in den Abendstunden, um mich ein wenig unter die lokale Bevölkerung zu mischen. Während meiner letzten Reise durch Sri Lanka hatte ich auch wieder das Glück, einige sehr nette und interessante Menschen kennenzulernen.

Es war ein dunstiger Abend am Strand von Negombo, die Sonne versteckte sich hinter einem dicken Wolkenschleier. Trotz der Wärme lud das Wetter nicht wirklich zum Schwimmen ein. Also packte ich meine Kamera und machte mich auf einen Spaziergang entlang des Strandes. In Sri Lanka sind die Strände in der Regel öffentlich, was sowohl positive als auch negative Seiten hat. Ich persönlich finde es prima, wenn die Strände nicht nur den in den Hotels wohnenden Touristen zugänglich sind, die einheimische Bevölkerung sollte natürlich ihren Strand auch nutzen und sich daran erfreuen können. Auf der anderen Seite ist das Bewusstsein für die Umwelt in Asien oft nicht sonderlich ausgeprägt, da wird der Müll eben einfach am Strand hinterlassen – sehr zum Ärgernis der Hotels. Auch Souvenirverkäufer freuen sich über die öffentlichen Strände und können so ungehindert über neu angekommene Urlauber „herfallen“.

Wohlweislich habe ich daher sämliches Bargeld im Hotelsafe zurückgelassen, bevor ich mich auf den Weg zum Strand machte. Nach einem kurzen Abstecher zur Wasserkante, um meine Füße in den Wellen zu baden, lief ich zum Ende des Strandes, wo einige einheimische Jungs dem Cricketspiel frönten. Cricket ist den Ceylonesen ähnlich heilig wie der Fußball den Deutschen. Ich setzte mich auf einen Stein und sah ihnen eine Weile beim Spielen zu. Ich blieb nicht lang allein, schon nach wenigen Minuten sprach mich ein älterer Mann an: „Hi, how are you? Where are you from?“. Das breite Lächeln in seinem tiefbraunen Gesicht zeigte nur noch wenige Zähne, war aber sehr sympathisch. Ein bunt karierter Sarong – das traditionelle Kleidungstück der Männer auf Sri Lanka, eine Art knöchellanger Wickelrock – spannte sich über seinen kleinen Kugelbauch. „Hi! I’m Claudia from Germany. How are you?“ antwortete ich ihm freundlich, darauf er: „Ich heiße Peter.“ Ah, sieh an, auch die deutsche Sprache war ihm nicht fremd. Wir unterhielten uns eine Weile in einem Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch. Er erzählte mir von seiner Familie, und dass er Fischer sei. Dann nahm er meine Hand: „Komm, ich zeige Dir mein Dorf“ – und ich ging mit. Natürlich nicht ohne ein gewisses Misstrauen, Angst hatte ich allerdings nicht. In Sri Lanka kann man sich frei bewegen, Verbrechen kommen sehr selten vor – die Menschen sind normalerweise freundlich, wenn auch manchmal für unser europäisches Empfinden etwas aufdringlich. Aber wenn man angesprochen und einem eine exklusive Sightseeingtour angeboten wird, geschieht das meist nicht ganz ohne Hintergedanken.

Wir überquerten den „Cricketplatz“, und betraten den gleich daneben liegenden „Fischereihafen“. Dutzende bunt lackierte Boote lagen hier auf dem Sand. Am Ufer beobachteten wir einige Fischer dabei, wie sie den Fang des Tages aus ihren Netzen befreiten. Es zeigte mir seinen Schuppen am Strand, seine Netze und Haken, und erklärte mir wie diese eingesetzt werden. Danach liefen wir zu seinem Boot. „Der Motor ist kaputt“, erklärte er mir, ich könnte ihm gern bei der Reparatur helfen, wenn ich wollte. Aha – da haben wir’s! Ich stellte mich dumm und erklärte ihm, dass ich mich mit Bootsmotoren nun wirklich nicht auskenne. Daraufhin lachte er laut: „no, I know you can’t help with the repair, but maybe you can give some money to help“. Ich lachte auch und sagte ihm, dass ich mir das schon gedacht hätte. Wir machten noch eine Runde durch das Dorf, wo ich den lokalen Fischmarkt bewundern konnte, und mir von vielen sehr alten Männer freundlich zugenickt und kleinen Kindern zugewunken wurde. Peter begleitete mich dann zurück zum Hotel, wo ich etwas Bargeld aus meinem Zimmer holte, um seine „Motorreparatur“ zu unterstützen. Er bedankte sich bei mir, ich mich bei ihm für den interessanten Ausflug und wir wünschten uns gegenseitig viel Glück für die Zukunft. Es sei schade, dass ich am nächsten Tag abreisen würde – sagte er – schließlich gäbe es noch so viele Dinge, die er mir zeigen könnte…

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